Über Kleinkriminalität, Anarchie und meine Art herumzukommen
Status quo - The way I come around
Eigentlich bin ich einfach nur faul - und effizienzmaximierend
Ja - richtig gelesen. Faul! Mein liebstes Fortbewegungsmittel ist das Fahrrad und das nicht, weil es das ökologischste, sondern einfach weil es das bequemste und effizienteste ist. Ich hab mal gelesen, dass bei Strecken unter 5 km das Fahrad das schnellste "Medium" ist. Bei meiner Fahrtgeschwindigtkeit (gehöre eher zur gemütlicheren Sorte) liegt dieser Wert wohl eher bei 3,5 km aber ansonsten unterschreibe ich diese Aussage. Die Strecken zwischen den Öffis und die Zeit, die durch Parkplatzsuchen und Staus draufgehen, fallen beim Fahrrad einfach weg. Ich steig bei meiner Wohnung "ein" und bei meiner Zielort "aus". Fertig! Ich hasse nichts mehr, als nach langer Parkplatzsuche, dann noch mehrere 100m zum Zielort zu laufen. Wo ist dann bitte der Vorteil? Dann hätt ich ja gleich mit der U-Bahn heimfahren können!
Seit 15 Jahren bewege ich mich mehr oder weniger regelmäßig mit den Fahrrad fort. In dieser Zeit wurden mir so zwischen 15-20 Räder gestohlen, also ca. eines pro Jahr. Natürlich war ich nicht immer ganz unschuldig daran, wenn das Schloss zu schlecht oder es überhaupt kurz mal nicht abgeschlossen war. TROTZDEM IST DAS EIN RIESENPROBLEM!!!! Ich könnte mich grün und blau ärgern über dies kleinkriminellen Banden, die dann Was-Weiß-Ich mit meinen wertlosen Rädern machen. Die Stadt Wien ist hier wirklich gefordert, denn diese vermeintlich kleinen Delikte sind vermutlich nicht selten der Einstieg in größere Verbrechen. Ich würde mir hier eine Herangehensweise ähnlich der "Broken-Windows-Theorie" wünschen. ZERO TOLERANCE für Fahrraddiebe also!
Anarchismus oder Hausverstand?
Diese Kapital könnte wohl Bände füllen, aber immer öfter höre ich, wie Fahrradfahrer als Anarchisten beschimpft werden. Ja - es gibt diese schwarzen Schafe, die rücksichtslos herumfahren - das verurteile auch ich, entspricht aber nicht der Mehrheit. Was spricht aber dagegen, wenn ich in nahezu Schrittgeschwindigkeit auf einem Gehsteig fahre, weil es auf der Strasse keinen Fahrradweg gibt und ich mich dort aufgrund enger Wege in Lebensgefahr sehe? Man fühlt sich teilweise als "heimatlos" auf Wiens Strassen. Überall wird man verscheucht. (Der Jammerteil ist hiermit beendet.)
Ich wünsche mir deshalb mehr Gehsteige, die jetzt schon breit genug sind, sowohl für Fahrradfahrer, als auch für Fussgänger gekennzeichnet sind. Man kann beobachten, welch riesige Veränderungen diese blauen Schilder herbeiführen können. Beide "Parteien" passen in diesem Fällen viel besser aufeinander auf und tolerieren sich vor allem. Ich breche also nicht absichtlich das Gesetz, wenn ich auf dem Gehsteig fahre, es ist lediglich ein Mangel an Alternativen und Selbstschutz. Ein weiterer Punkt sind rote Ampeln. Ich oute mich nun als "Rotkreuzer", aber nur in selbem Ausmaß, wie ich es als Fußgängerin mache, wenn mein Hausverstand es mir erlaubt. Wenn eben grad keine Kinder in der Nähe sind und absolut kein Auto in Sicht ist - wer tut das denn nicht, bitte? Ich sehe dieses "Verbrechen" auch nicht als Einstieg in die Kleinkriminalität, es hört nämlich genau dort auf, wo mehrere Autos im Spiel sind, in meinem Fall also spätestens am Gürtel.
Wir wissen, wie die Welt in 2100 aussieht, aber den Weg dorthin kennen wir noch nicht.
Weitere Beiträge
- Werner Reiter: Was mache ich bloß mit einem Elektrofahrrad in Wien?
- Cornelia Daniel: Über Kleinkriminalität, Anarchie und meine Art herumzukommen
- Günter Strobl: Urbane Mobilität: Hausbesitzer bitte umdenken
- Katharina Scichilone: Roller fahren in Wien – passt gut dazu
- Marco Schreuder: Urbane Mobilität einst und morgen
- Rolf Schönlau: Nächste Ausfahrt: Stillstand
- Stefan Leitner-Sidl: Urbane Mobilität: Multimodal, kostengünstig, bequem
- Andreas Lindinger: Zum Thema “Urbane Mobilität der Zukunft”
- Andreas Kühl: Mobilität ist wichtiger als der Besitz eines Autos
- Franz Stanzl: Mein Name ist Franz Joseph und ich habe das Über-die-Straße-gehen erfunden
- Irmgard Underrain: Urbane Mobilität oder wie die Murtaler 1 Monat mehr Urlaub im Jahr gewinnen können
- Matthäus Heuböck: Erlebnis Elektro-Mobilität
- Johannes Frühmann: Wer braucht schon ein Elektrofahrrad
- Susanne Mandl: 5 Gründe, nicht mit dem Rad zu fahren
- Franz Fuchs: Urban Mobility: 5 Thesen für die Zukunft
- Roland B. Seper: Verkehr haben - aber richtig
- Hans-Peter Waldbauer: Leben mit dem Fahrrad
- Hannes Offenbacher: Und plötzlich ist es still
Grafik: © Laurent Renault - Fotolia.com

