30

Mrz
2012

Auf den Spuren der Energiewende – Deutschland

Die letzte Woche stand ganz im Zeichen der Energiewende. Im Rahmen des ELEEP Programms war ich wieder eingeladen eine Woche lang mit ausgewählten jungen Leuten aus der transatlantischen Energieszene, in die Tiefen der aktuellen Energieentwicklungen Europas einzutauchen. Es ist unglaublich wie viel derzeit im Gange ist. Der Titel der Tour war:

Transformation of the Energy Economy: Natural Gas, Renewable Energy, Smart Grids, and Electric Mobility

Das Program war dicht gesäht und so hatten wir die Möglichkeit unglaublich viele Aspekte der Energiewende kennenzulernen. Hier die Highlights:

Ecologic Institute – Der Umwelt Think Tank

Treffen mit Andreas Krämer dem Direktor vom Ecologic Institute mit einem spannenden Vortrag über die Zukunft der deutschen Energiepolitik. Hier wurde erstmals das Thema angesprochen, warum man sich in Deutschland zuerst von Atom und dann von Kohle verabschiedet hat. Das praktisch inexistente Thema Kohle sollte uns die ganze Reise begleiten.

Nord Stream in Lubmin – neue Gas Business Modelle gesucht

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In Lubmin kommt die neue Gasversorungspipline Europas an. Nord Stream ist eines der größten Gasprojekte derzeit. Obwohl ich weiß, dass Gas die beste Komplementärform zu erneuerbaren Energien ist, wurde ich den Eindruck nicht los, dass die Gasindustrie noch nicht bereit ist “nur” als Regelenergie herzuhalten. Verträge über 50 Jahre zementieren die Machtverhältnisse zusätzlich für viele Jahre. Es gibt anscheinend noch keinen vernünftigen Business Case für ein Gaskraftwerk, welches nicht auf Volllast fährt. Es kann eben nur laufen, wenn gerade der Wind nicht weht oder keine Sonne scheint. Ich hoffe, dass hier neue Geschäftsmodelle emporkommen. Von den Energieversorgern ist diesbezüglich wohl nicht viel zu erwarten. 

Greifswald – So sichtbar war die Unbeherrscharkeit einer Technologie noch nie

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Die Besichtigung des stillgelegten Atomeaktors in Greifswald hat zumindest mir vor Augen geführt, dass diese Millionen Rohre und Regelungen nicht unbedingt dafür gemacht sind, fehlerbehaftete Menschen herumhantieren zu lassen. Greifswald wurde nach der Wende geschlossen, weil man der russischen Technologie nicht mehr vertraut hat. Wohl eine weise Entscheidung. Bei der Tour wurde vor allem aber eines offenslichtlich. Der Abbau solcher Anlagen (Decomissioning) verschlingt Millionen wenn nicht Milliarden. Das für mich schlagenste Argument gegen Atomenergie ist nach wie vor, zu teuer, wenn Versicherung und Abbaukosten miteingerechnet werden.

Meeting with the “Big Guys”

Der letzte Tag in Deutschland stand im Zeichen der Großen Player Eon, BP, IEA und Exxon. Der große Unterschied zu Österreich war hier, dass die Energieversorger bereits die Möglichkeiten der Erneuerbaren verstanden haben und selbst ins Geschäft einsteigen. Die Abneigung gegen abgelegene Bauernhöfe, die zu viel Strom ins Netz einspeisen war aber auch dort deutlich spürbar. Einen guten Punkt hatte der Vortragende aber: Die Erneuerbaren sind nun 21 (21% Anteil) und somit erwachsen. Nun müssen sie auch Netzverantwortung übernehmen. 

Fazit – Energiewende wird der neue “Zeitgeist”

Es gibt kein richtiges Wort für “Energiewende” im Englischen. Termini wie “Energy Turnaround” oder “Energy Transition” geben den Sinn nicht so recht wider. So zeichnet sich bereits ab, dass sich auch im Englischen das Wort “Energiewende” durchsetzen wird. Wie ironisch, dass auch “Zeitgeist” ein ähnliches Schicksal ereilt hat. So wird die “Energiewende” der neue “Zeitgeist”. Doppelbödigkeit at its best!

 

 

 

 


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